2007

An die Nordbayerischen Nachrichten
 
 
 
Leserbrief Wasserrad :
 Ein weiterer Artikel in ihrer Zeitung am 24.01.2007 über das Wasserrad in Egloffstein, löst bei uns vor Ort Verwunderung und auch Verärgerung aus. In vielen Gesprächen mit Mitbürgern konnte ich bisher niemanden finden, der diese negative Meinung zum Projekt teilt. Wir alle schätzen die Initiative und meinen, dass das Wasserrad zur Stromgewinnung eine Bereicherung für unsere Gemeinde ist. Natürlich kann es im momentanen Bauzustand noch nicht mit seiner Umgebung harmonieren, aber man braucht doch nur wenig Vorstellungskraft, um zu erkennen, dass durch Bepflanzung und Gestaltung mit Steinen und Wegen, der Übergang zur restlichen Landschaft bald hergestellt ist. Der viel geschmähte Beton, der praktisch nicht zu sehen ist, wird ebenfalls bald überwachsen sein.
Das Wasserrad steht in einer alten Kulturlandschaft mit typischer Nutzungsweise. Es handelt sich um sogenannte „Wässerwiesen" die von Gräben und Wehren durchzogen waren und zur Fischzucht und zur Bewässerung der Flächen dienten. Damit konnten in früheren Zeiten drei bis vier, statt nur zwei "Mahden" eingefahren werden. Das war damals für Menschen und Tiere überlebenswichtig und im kargen und trockenen Gebiet der „Fränkischen" eine Kostbarkeit. Das Wasserrad an dieser Szelle führt uns nun erneut die Lebenskraft und Energie des Wassers vor Augen. Es steht übrigens auch ganz in der Tradition der Mühlen und Wasserräder im Trubachtal, wo früher Wasserkraft intensiv genutzt wurde.
"Strom aus der Steckdose" und Öl verdrängten diese Form der Energiegewinnung - sie wurde unrentabel und vergessen. Um so mehr ist es den Initiatoren anzurechnen, dass sie das Projekt vorangetrieben haben. Wirtschaftlich gesehen werden sie damit keine Reichtümer anhäufen, aber sie erinnern uns an eine traditionelle umweltschonende Form der Energiegewinnung, wie sie Jahrhunderte lang vor Ort genutzt wurde und die wir vielleicht in Zukunft wieder schätzen werden. Gerade in Zeiten der Verknappung von modernen und umweltschädigenden Rohstoffen zeigt sich, dass eigene, ungenutzte Ressourcen zu entdecken sind. Denn wie lange können wir uns die Abhängigkeit von Öl, Gas und Uran noch leisten? Energiegewinnung durch Wasserkraft ist eine mögliche Alternative und davon sollte sich jeder am Wasserrad zwischen Mostviel und Egloffstein überzeugen!
 
Uta Hofmann
1.Vorsitzende der Wasserschutzgemeinschaft Egloffstein
und 28 Jahre Mitglied beim Bund Naturschutz
 
Der Artikel erschien gekürzt am 26.1. im Forchheimer Teil der NN.